Es gab nicht wenige Experten, die der HSG Lumdatal nach dem makellosen Aufstieg aus der Landesliga Mitte in der Frauenhandball-Oberliga dennoch einen ebenso „souveränen“ Wiederabstieg vorausgesagt hatten. Doch vor dem letzten Spiel des Jahres bleibt festzuhalten, dass sich der Neuling in Hessens höchster Spielklasse hervorragend schlägt, mittlerweile seit ganzen acht Partien ungeschlagen ist und zuletzt auch dem Tabellenzweiten TuS Kriftel beim 27:27 den allerersten Heimzähler abknöpfen konnte. Dabei und auch im gesamten Saisonverlauf spielten die Schwestern Madeleine (29) und Franziska Müller (27) eine wichtige Rolle, beide sind für uns diesmal die „Spielerinnen der Woche“.

„Wir sind natürlich mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden, denn kaum einer hat uns vorher etwas zugetraut“, berichtet Madeleine Müller, die nicht nur Spielführerin des Teams ist, sondern auch als Jugendwartin bei der HSG tätig ist. „Dennoch bleibt neben dem lachenden auch ein weinendes Auge, denn wir haben zuletzt doch ein paar Punkte in den letzten Minuten verschenkt. Neben fehlender Cleverness ist das aber vielleicht auch eine Kraftfrage, denn wir müssen einen sehr aufwändigen Stil spielen, um konkurrenzfähig zu sein.“

Im Vergleich zur Vorsaison hat sich das Team nämlich nur auf der Torhüterposition verändert und keine weiteren Neuzugänge im Sommer hinzubekommen. Was bedeutet, dass absolute Spitzenspielerinnen, die für viele leichte Tore zuständig sind, fehlen. Diese vermeintliche Schwäche entpuppte sich aber bislang als große Stärke des Teams des Meistertrainers und Vereinsvorsitzenden Michael Gilbert und von Marcel Köhler, denn der Aufsteiger für die Gegner nur schwer ausrechenbar. „Wir kennen uns schon lange und sind sehr eingespielt. Das ist schon ein großes Plus unserer Mannschaft. Zudem kämpfen wir bis zum Schluss und geben uns nie auf“, betont auch Kreisläuferin Franziska Müller, die im Verein als Schiedsrichterwartin tätig ist gemeinsam mit ihrer Mannschaftskollegin Hanna Schmidt auch selbst in der Landes- und der Oberliga pfeift.

Der Klassenerhalt steht trotz des unerwarteten fünften Tabellenplatzes über allem, denn auch wenn die HSG ihre Stärke in der Klasse schon nachgewiesen hat, so eng geht es in Hessens höchster Spielklasse auch zu. „Ich denke, dass Marcel uns taktisch sehr gut auf den jeweiligen Gegner einstellt. Das hilft uns schon enorm weiter. Aber wir wissen, wie knapp es in den Spielen zugeht. Zudem ist unser Kader nicht der größte, die Verletzung von Katha Smajek war schon ein Schock“, beschreibt „Franzi“ Müller. Zumal er an Gedanken an die erste Oberligasaison 2016/17 aufkommen ließ, in der die Lumdatalerinnen zunächst ebenfalls stark aufspielten, eine wahre Flut an Knieverletzungen letztlich aber den Abstieg bedeutete. Smajek Kreuzbandriss war daher ein herber Verlust, bot aber zugleich anderen Chancen. „Es ist eine unserer Stärken, dass jede ihren Teil zum Erfolg beiträgt. Nach Kathas bitterer Verletzung sind andere auf dieser Position in die Bresche gesprungen, jede Spielerin ist bei uns für Tore gut“, beschreibt „Käptn“ Madeleine Müller, schiebt aber noch nach. „Klar ist aber auch, dass es nicht wieder solch viele Verletzungen geben darf, da wir mit unserem Kader natürlich schnell an Grenzen stoßen.“

Seit frühster Kindheit an betreiben Madeleine und ihre zwei Jahre jüngere Schwester den Handball-Sport, zunächst viele Jahre ausschließlich für die SG Nordeck/Winnen/Allendorf/Londorf, seit dem Zusammenschluss mit dem TV Mainzlar im Jahr 2014 nun für die HSG Lumdatal. Doch so sehr der Sport die beiden eint, so unterschiedlich sind doch auf dem Feld. „Madeleine ist eine Kämpferin, ist aber als Spielführerin aber auch für den Zusammenhalt verantwortlich, die Anführerin des Wolfsrudels sozusagen. Dass sie immer versucht, es jedem Recht zu machen, kann man letztlich auch als eine Schwäche auslegen, denn logischerweise ist so etwas nicht immer möglich“, beschreibt Franziska Müller ihre ältere Schwester. Diese bemüht im Gegenzug lustigerweise auch eine Tiermetapher. „Franzi ist eine abgezockte Spielerin, ein echter Fuchs. Wenn sie vor einem Spiel schlechte Laune hat oder vielleicht von etwas genervt ist, macht sie meist ihre besten Spiele“, beschreibt Madeleine Müller, die die Unpünktlichkeit ihrer jüngeren Schwester als deren größte Schwäche benennt, aber noch nachschiebt. „Wenn man etwas von ihr braucht, ist sie schon pünktlich und sofort zur Stelle.“

Teamwork – nicht nur bei Schwestern an der Tagesordnung, sondern einer der großen Pluspunkte der HSG Lumdatal in der Frauenhandball-Oberliga. Und auch wenn der Klassenerhalt – wie auch Madeleine und Franziska Müller unisono bestätigen – noch lange nicht in trockenen Tüchern ist, so hat der Neuling doch zumindest schon lange nachgewiesen, dass er auch in dieser Klasse um Punkte und Siege kämpfen kann. Und damit schon viele Experten schon vor der Winterpause widerlegt.

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